Wappen
 
 
Leitbild
Infoschrift
Konstitution
Grosses Kapitel
Balleien
Archiv
Links
Abzeichen
Abzeichen
  HomeInhaltAnregungenKontakt  
  Internationaler St. Hubertus Orden  
   
       
 
     
 

Legende

St. Eustachius und St. Hubertus Schutzpatrone der Jagd

Die Jagd ist eine der ältesten Beschäftigungen des Menschen, mit der schon unsere Vorfahren in der Steinzeit versuchten, Nahrungsmittel und andere Rohstoffe zu gewinnen. Für das Überleben war es damals notwendig, auf der Jagd erfolgreich zu sein, daher gab und gibt es in fast allen Kulturkreisen Götter, Geister oder sonstige höhere Wesen, die der Jäger um Schutz, Hilfe oder Fürsprache bitten konnte, bzw. kann. Bei den Griechen der Antike war die Göttin Artemis die Jagdgöttin, im antiken Rom war Diana die Göttin der Jagd. In Japan beten die Jäger zur Göttin der Berge um erfolgreich zu jagen bzw. werden dieser vor der Heimkehr Dankesopfer dargebracht.

Wir Christen glauben nur an einen Gott, daher sind bei uns für die verschiedenen Lebensbereiche Heilige als Schutzpatrone und Fürsprecher zuständig. In Europa wurden und werden seit fast 2000 Jahren mehrere Heilige als Schutzpatrone der Jagd verehrt, einige davon sind wieder in Vergessenheit geraten: In Frankreich verehrte man bis zum 10. Jahrhundert den heiligen MARTIN und den heiligen GERMANUS VON AUXERRE als Jagdheilige. In Frankreich lebte auch der aus Griechenland stammende heilige AEGIDIUS, auch SAINT GILLES genannt, der nicht nur Schutzpatron der Jagd war, sondern auch von den Ständen der Steiermark zum Landespatron erwählt wurde. In den osteuropäischen Ländern gilt der heilige IWAN (auf Deutsch der heilige JOHANN) als Beschützer von Jagd und Jägern. Die europäischen Falkner verehren den heiligen BAVON, der einst in Belgien lebte, als ihren Schutzpatron, im Osten wird er vom heiligen TRIFFON abgelöst. Und auch die Parforce-Jäger haben einen eigenen Fürsprecher, nämlich den heiligen VENANTIUS, von dem nur wenige Überlieferungen erhalten sind. Vielleicht handelt es sich um den jagdfreudigen Dichter und Bischof Venantius Fortunatus, der im Jahr 600 in Poitiers starb.

Aus frühern Jahrhunderten sind uns einige Bilder erhalten geblieben, die einen (meist knieenden) Jäger darstellen, dem ein Hirsch mit einem Kruzifix zwischn den Geweihstangen erschienen ist. Eines der bekanntesten ist das Bild von Albrecht DÜRER aus dem Jahre 1498. Die meisten von uns Jägern meinen sicher, dass diese Darstellungen den heiligen Hubertus zeigen, in den meisten Fällen ist es jedoch der heilige EUSTACHIUS, der heute nur mehr wenig bekannt ist.

St. Eustachius

Eustachius wurde im 5. Jahrhundert heilig gesprochen, ab dem 12. Jahrhundert vebreitete sich seine Verehrung über ganz Europa. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet der Fruchtbare (eu = gut, stachys = Ähre, Frucht). Wir verfügen über keinen Nachweis, ob der Heilige tatsächlich gelebt hat, möglicherweise ist er mit dem heiligen Eustathios, Patriarch von Antiochia, identisch (Eustathios = der Standhafte).

Die entsprechende Legende wurde auch nicht von Christen erfunden, sie wurde erstmals um 270 vor Christus in Ceylon erzählt: Dem König Devanampiya und seinen Gefolgsleuten soll damals bei der Jagd ein leuchtender Hirsch erschienen sein und soll damit die Jäger zum Buddhismus bekehrt haben. Diese Legende wurde in veränderter Form erst viel später auf den Märtyrer Eustachius übertragen. Der Krumauer Bildercodex aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, der in der Österreichischen Nationalbibiliothek aufbewahrt wird, enthält einfache Darstellungen dieser Eustachius-Legende aber keine vom heiligen Hubertus!

Auf den Spuren von St. Hubertus

Im Jahre 1568 brannte die Abtei St. Hubert in den Ardennen während des Hugenottenaufstandes nieder. Dabei ging alles was an Reliquien, Urkunden und Ähnlichem vorhanden war, verloren. Die einzig erhalten gebliebene Quelle über das Leben des Heiligen Hubertus ist die Handschrift VITA SANCTI HUGBERTI, welche von einem seiner Klosterbrüder verfasst wurde und in Valenciennes aufbebewahrt wird. Danach war Hubertus niemals ein Jäger, denn er kam schon als fünfjähriger Knabe in die Obhut des Bischofs Lambert. Er musste daher auch nicht zum christlichen Glauben bekehrt werden. Über die Herkunft des Heiligen Hubertus ist nicht mehr bekannt. Hubertus war ein einfühlsamer Missionar, der zu seinen Lebzeiten die noch heidnischen Einwohner der Ardennen bekehrte. Insbesondere versuchte er den bei den hier lebenden Jägern noch gebräuchlichen Dianen-Kult durch christliche Bräuche zu ersetzen. War es früher üblich, die erste Jagdbeute jährlich der Göttin Diana zu opfern, liess der heilige Mann nun den Erstling dem heiligen Petrus weihen. Kein Wunder, dass die bekehrten Jäger nach dem Tod des heiligen Hubertus nunmehr diesem ihre erste Jagdbeute opferten und ihn als Schutzpatron der Jagd verehrten.

Von einer Hirsch-Legende war vorerst einige Jahrhunderte lang nichs bekannt. Hubertus wurde damals mit Bischofsgewand und - als Erbauer von Kirchen und Klostergründer - meist mit einer kleinen Kirche in der Hand dargestellt.

Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tauchten Darstellungen auf, die Hubertus mit dem Hirsch zeigen wie zum Beispiel ein Gemälde von Stefan Lochner, das den Schutzpatron der Jagd gemeinsam mit der heiligen Katharina und dem heiligen Gereon zeigt.

Auch eine Holzstatue des Bischofs Hubertus aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt als Beiwerk bereits einen Hirsch. Wie kam es zu diesem Wandel?

Eindeutig konnte nachgewiesen werden, dass Gerhard II., Herzog von Jülich und Berg, die Hirschlegende von Eustachius auf Hubertus übertrug. Das Herzogtum Jülich-Berg lag am Rande der Ardennen und Herzog Gerhard war ein leidenschaftlicher Jäger. Am 3. November 1444 gelang ihm mit 800 Reitern ein unerwarteter Sieg gegen Arnold von Egmond, Herzog von Geldern, der mit einer grossen Übermacht in das Herzogtum Jülich eingefallen war. Herzog Gerhard gründete am folgenden Tag den ersten St. Hubertus Orden, einen militärischen Hausorden, der staatspolitischen Zielen diente und mit Jagd nichts zu tun hatte. Dieser Orden kam später an das Herzogtum Bayern und hatte dort bis zuletzt den höchsten Rang vor allen anderen Orden.

Herzog Gerhard liess auch ab 1444 die neu erfundene Hubertuslegende verbreiten, was vorerst in den französisch sprachigen Ländern gelang. Da die französische Kultur und das französische Hofzeremoniell speziell im Barock in Mitteleuropa "in" war, wurde der heilige Eustachius nach und nach vom heiligen Hubertus verdrängt. Nur im Bereich westlich von Wien hielt sich der Eustachius-Kult bis in unsere Zeit, wovon auch die traditionelle St. Eustachius-Messe im Lainzer Tiergarten zeugt. Der Feiertag des Märtyrers und Nothelfers Eustachius wurde früher am 2. bzw. am 3. November gefeiert und im 16. Jahrhundert auf den 20. Semptember, also in die Hirschbrunft, verlegt. Damals war es aber nicht üblich, die Hirsche in der Brunft zu bejagen, denn die Parforce-Jagd fand im Frühjahr und im Frühsommer statt.

Traditionellerweise wurde der Hirsch auf mittelalterlichen Jagddarstellungen fast immer al 10-Ender abgebildet. Dementsprechend zeigen die meisten Eustachius- und Hubertusbilder meist einen Hirsch mit einem 10-endigen Geweih und dem Kruzifix zwischen den Geweihstangen. Das hat aber nichts mit den 10 Geboten zu tun, wie man heute fallweise lesen kann, sondern beruht auf der Tatsache, dass bis zum Mittelalter und später auch im Barock für die höfische Jagd der Hirsch erst ab dem 10-Ender als jagdbar galt.

Die Legenden von St. Eustachius und St. Hubertus können uns als Gleichnisse dienen, die uns mahnen sollen, das Wild ehrfürchtig und massvoll zu bejagen. Bei all unsern Tätigkeiten in der Natur - einschliesslich der von uns gestalteten Kulturlandschaft - sollen wir daran denken, dass wir die belebte und unbelebte Schöpfung Gottes nur gemäss dem biblichen Auftrag "Macht euch die Erde unterthan" nutzen, aber nicht übernutzen dürfen. Das bedeutet auch, dass es uns nicht zusteht, jagdlich wenig interessante Arten auszurotten oder uns wertvoller erscheinende Wildarten zu überhegen. Gott könnte uns gleichsam vom Kruzifix zwischen den Geweihen des Hirsches aus zurufen: "Jäger, wenn du nicht wahrhaft meine Schöpfung anerkennst, so wirst du bald zur Hölle fahren." Unsere Schutzpatrone der Jagd, St. Eustachius und St. Hubertus, gemahnen uns mit ihren Legenden, oder auch anlässlich von Eustachius- und Hubertus-Messen, dass wir bei allen unseren Tätigkeiten in der Natur massvoll sein sollen, dass wir den Schöpfer ehren sollen, indem wir seine Geschöpfe ehren.

 
     
 
 
Jagdszene
Der Vorderlauf des
Hirsches galt als Trophäe
 
 
Hochaltarbild
Hochaltarbild
Kathedrale Saint Hubert
Ardennen
 
 
Hl. Eustachius
Hl. Eustachius
Albrecht Dürer
 
 
Hl. Hubertus
Hl. Hubertus
Detailausschnitt
Suitbert Lobisser
 
 
Bekehrung des hl. Hubertus
Die Bekehrung des
hl. Hubertus
Wilhelm Räuber
 
 
Metallschnitt
Hl. Hubertus Metallschnitt 15. Jhdt.
 
         
  © 2000 JBWeb - Web Publishing & E-Commerce
    Alle Rechte vorbehalten